Evidenz statt Eminenz

Evidenz statt Eminenz

Akademische Forschung, Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik sowie der Kulturbetrieb mit seiner Büchner-Rezeption orientieren sich weniger an Büchners komplexen Texten, sondern vielmehr an eingefahrenen, gesellschaftlich erwünschten Perspektiven, insbesondere sozialkritischer und wissenshistorischer Provenienz (Sozialdrama, Vorwegnahme moderner Psychiatrie, Ethnologie usw.

 

Die auf dieser Webseite diskutierten Aspekte sollen dazu anregen, Büchners Texte, in erster Linie das Woyzeck-Fragment, unvoreingenommen zu lesen und von dem auszugehen, was der Dichter verfasst hat. Dazu braucht man kein Spezialwissen in editionsphilologischer Hinsicht, die üblichen Lese- und Bühnenfassungen, gegebenenfalls auch die editierten Handschriftenentwürfe reichen völlig aus. Man muss indes genau lesen und darf die irritierenden Passagen nicht ausblenden, indem man sie Woyzecks Wahnsinn zuschreibt oder überhaupt hermeneutisch ignoriert, wie beispielsweise die Figurenrede des Narren. Zudem darf man Büchner nicht eine unreflektierte Modernität unterstellen, primär ist seine Verwurzelung in der klassischen und romantischen Dramaturgie zu berücksichtigen, davon abgesehen sind alle diesbezüglichen Erkenntnisse exakt zu verifizieren und nicht einfach prämissenhaft vorauszusetzen. 

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