Plot / Story

Der Plot grob skizziert: Ein Soldat wird von seinem Vorgesetzten Offizier und den zuständigen Arzt schikaniert, zu einem schlecht bezahlten Ernährungsexperiment missbraucht, seine Geliebte (und Mutter des gemeinsamen Kindes) betrügt ihn. Er hört eine Stimme aus dem Boden, dass er die Frau erstechen soll und tut das schließlich auch - und zwar nicht im Affekt, sondern vorsätzlich. Der etwas undurchsichtige Plot beinhaltet zudem den unvermittelten Auftritt eines Narren (mehrfach, auch Idioten) und einer Großmutter, sowie von Kindern. 

 

Die Story: Der Mordkomplex wird exponiert auf der Bühne abgehandelt, einschließlich eines dreifachen vorbereitenden Rituals (zwei Lieder, die Märchenparabel) und eines in Anbetracht, dass es sich um einen Soldaten handelt, der zu Beginn Stöcke schneidet, eher überflüssigen Messerkaufs. Das spricht stark dagegen, dass es sich in erster Linie um ein Sozialdrama handelt; im Vordergrund steht vielmehr die Beziehungstat, auch wenn das Publikum selbst herausfinden muss, was für ein Beziehungsdrama solch eine Tat zu motivieren vermag. Eifersucht ist mit im Spiel, aber es muss noch etwas dazukommen. 

 

Der historische Woyzeck: Die zu stellenden Fragen, deren Antworten im Drama zu finden sind, werden durch den üblichen Rekurs auf die historische Vorlage ausgeblendet. Solch ein Hinzuziehen von historischen Sachtexten ist im Hinblick auf Verständnis und Interpretation von Literatur eigentlich nicht statthaft (selbst wenn Büchners Figuren nach wirklichen Personen benannt sind), denn ein kompetenter Autor, und das ist Büchner, muss selbstverständlich anstreben, dass sein Werk aus sich heraus verständlich und erklärbar ist. Sonst mutet er seinem Theaterpublikum zwangsläufig zu, nachträglich zu recherchieren.