Goethes Erlkönig und Woyzecks Großmuttermärchen

Was hat Goethes Erlkönig mit Büchners Woyzeck zu tun? Die berühmte Ballade erzählt genau die gleiche Geschichte, wie das Großmuttermärchen:

 

"Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,

Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!

Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,

Erlkönig hat mir ein Leids getan."

 

Selbstverständlich erzählt das Kind von einem sexuellen Missbrauch, am Ende ist es tot. Der Vater glaubt ihm nicht und interpretiert es weg. Genau das passiert auch im Deutschunterricht. Die balladenmäßige Einkleidung (Form) der Erzählung wird dazu benutzt, allen möglichen Unsinn hineinzuinterpretieren (das Kind phantasiert im Fieber usw.) Goethe ist ein Meister der Form, darüber darf man aber nicht den Inhalt außer Acht lassen. 

Das Großmuttermärchen erzählt von Verführung durch falsches Leuchten ( insbesondere die kleinen goldenen Mücken am Ende stehen bei Büchner ganz eindeutig für Sexualität) und Aufgespießt-Sein des Kindes (Neuntöter, dieser Vogel - vögeln! - lockt sein Opfer durch Nachmachen von dessen Rufen in die Falle). Das Kind im Märchen ist unendlich einsam. Genauso wie das Kind im Erlkönig.